Bei keinem Medien-Thema ist das Vertrauen so gering, wie in die deutsche Nahost-Berichterstattung, ist das Ergebnis der „Mainzer Langzeitstudie für Medienvertrauen 2026“ . Karim El-Gawhary spricht mit der Kommunikationswissenschaftlerin und Medienkritikerin Nadia Zaboura darüber, warum das Vertrauen so niedrig ist. Sie analysieren sprachliche und visuelle Muster, ungleiche Quellenbewertung, Kriegspropaganda sowie den Umgang mit Kritik und Diffamierungskampagnen in deutschen Medien. Im Zentrum steht die Frage, wie Journalismus Vertrauen zurückgewinnen kann, wenn Völkerrecht, Menschenrechte und journalistische Sorgfaltspflichten vernachlässigt werden.
In dieser Folge spricht Karim El-Gawhary mit der Kommunikationswissenschaftlerin, Linguistin, Medienkritikerin und Publizistin Nadia Zaboura über Vertrauen, Medienvertrauen und die deutsche Berichterstattung über Israel und Palästina. Zaboura erläutert, dass das allgemeine Medienvertrauen laut der „Mainzer Langzeitstudie für Medienvertrauen 2026“ relativ stabil bleibt, während die Nahost-Berichterstattung mit nur 27 Prozent Vertrauen einen besonders auffälligen Tiefpunkt markiert. Die beiden sprechen darüber, wie eine verkürzte historische Erzählung, die Glättung der Asymmetrie zwischen Besatzungsmacht und besetzter Bevölkerung sowie eine Hierarchisierung palästinensischer und israelischer Opfer die Wahrnehmung des Konflikts prägen. Zaboura deutet außerdem auf die unkritische Übernahme israelischer Kriegskommunikation, insbesondere von Animationen des israelischen Militärs, die ohne ausreichende journalistische Einordnung verbreitet wurden. Anhand wissenschaftlicher Studien und konkreter Beispiele zeigt sie, wie Sprache, Schlagzeilen, passive Formulierungen und Euphemismen wie „Evakuierung“ die Berichterstattung verzerren können. Das Gespräch beleuchtet zudem Drohungen, Selbstzensur, falsche Antisemitismusvorwürfe und die Verantwortung von Redaktionen, ihre Journalistinnen und Journalisten vor Diffamierungskampagnen zu schützen. El-Gawhary und Zaboura argumentieren, dass Journalismus nicht neutral im Sinne einer Distanz zu Fakten sein dürfe, sondern wahrhaftig und an Völkerrecht, Menschenrechten und Menschenwürde orientiert sein müsse. Sie warnen davor, dass anhaltendes Medienmisstrauen langfristig auch das Vertrauen in Demokratie und Institutionen untergraben kann.