Nahost. Nah Dran.

E28 Der vergessene Krieg und seine internationalen Drahtzieher: Talk mit der Sudan-Expertin Saskia Jaschek

Episode Summary

Mit der Sudan-Expertin Saskia Jaschek spricht El-Gawhary über den vergessenen Krieg im Sudan. Dabei geht es nicht nur um die humanitäre Katastrophe, die dieser Krieg ausgelöst hat, sondern auch um die politischen Hintergründe. Was hat zu diesem Krieg geführt? Wie wird er am Leben gehalten. Der Krieg im Sudan ist weit mehr als ein Machtkampf zwischen der Armee und den Rapid Support Forces (RSF): Internationale Akteure, wirtschaftliche Interessen und Ressourcen wie Gold, Land und Gummi Arabicum halten den Konflikt mit am Laufen. Jaschek erklärt, warum der Krieg so schwer zu durchschauen ist, wie die Zivilgesellschaft trotz massiver Gewalt weiterarbeitet und welche internationalen Hebel einen Weg zum Frieden eröffnen könnten.

Episode Notes

Seit mehr als drei Jahren herrscht im Sudan Krieg zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), während Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen und auf der Flucht oder innerhalb des Landes vertrieben sind. Die Sudan-Expertin Saskia Jaschek erklärt, warum der Konflikt nicht auf einen Machtkampf zwischen zwei Generälen reduziert werden kann und welche zahlreichen bewaffneten Gruppen und wechselnden Bündnisse ihn zusätzlich kompliziert machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Internationalisierung des Krieges und der Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate, die laut Jaschek die RSF unter anderem mit Waffen, Geld und einem internationalen Versorgungsnetzwerk unterstützen. Auch wirtschaftliche Interessen spielen eine zentrale Rolle, etwa der Handel mit Gold, der Zugriff auf landwirtschaftliche Flächen und die Bedeutung von Gummi Arabicum, von dem rund 90 Prozent der weltweiten Produktion aus dem Sudan stammen. Jaschek kritisiert zudem eine Berichterstattung, die den Sudan vor allem als humanitäre Katastrophe darstellt und dabei die politischen und internationalen Strukturen hinter dem Krieg ausblendet. Besonders dramatisch ist die Lage der Zivilbevölkerung, denn neben den unmittelbaren Kriegsfolgen führen der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, Krankheiten, fehlendes Trinkwasser, Vertreibung und sexualisierte Gewalt zu weiteren Opfern. Gleichzeitig dokumentiert die sudanesische Zivilgesellschaft die Kriegsverbrechen  und leistet vor Ort humanitäre Hilfe. Für einen dauerhaften Frieden, so Jaschek, müssten neben gezieltem internationalen Druck und Sanktionen auch die sudanesische Zivilgesellschaft und die betroffene Bevölkerung in politische Prozesse einbezogen werden, statt eine Lösung über ihre Köpfe hinweg auszuhandeln.