Der neue Pakt zwischen Saudi Arabien, der Türkei und Pakistan: Ein Art NATO in der Nahost- und Golfregion? Die Nahost-Region erfindet ihre Sicherheitsarchitektur gerade neu. Grund ist die volatile Lage am Golf, nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran und der Unfähigkeit der USA, die Golfstaaten zu schützen. Als Folge arbeiten einige Staaten der Region daran, ihre Sicherheit zu regionalisieren. Genau aus dieser Logik heraus wurde nun ein Sicherheitspakt zwischen Saudi Arabien, der Türkei und Pakistan in Mekka unterzeichnet. Karim El-Gawhary analysiert diesen neuen „Mekka-Verteidigungspakt“, der die Karten in der Region auf lange Sicht neu mischen könnte. Was bezweckt dieser Pakt und gegen wen wendet er sich? Wie wirkt sich dieser auf das Verhältnis der Regionalstaaten zur USA aus? Wie verhalten sich der Iran und Israel dazu? Und könnte Ägypten der nächste Unterzeichner sein?
Mit dem sogenannten „Mekka-Verteidigungspakt“ haben Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan eine neue Form regionaler Sicherheitskooperation vereinbart. Das Abkommen sieht vor, dass ein Angriff auf einen der Unterzeichner als Angriff auf alle drei Staaten gewertet wird, garantiert jedoch keinen automatischen militärischen Beistand. Hintergrund ist ein Sicherheitsvakuum am Golf, nachdem die USA ihre Rolle als alleiniger Sicherheitsgarant der Region nicht mehr uneingeschränkt ausfüllen können. Saudi-Arabien erhofft sich vor allem besseren Schutz vor Bedrohungen durch den Iran und die Huthis im Jemen, während die Türkei und Pakistan ihren politischen, militärischen und wirtschaftlichen Einfluss am Golf ausbauen könnten. Der Pakt richtet sich offiziell gegen niemanden, wird aber zugleich als Signal an den Iran und als mögliches Gegengewicht zur israelischen Militär- und Regionalpolitik verstanden. Teheran reagiert bislang zurückhaltend und betont vor allem, dass das Abkommen den schwindenden Einfluss der USA in der Region sichtbar mache. Eine zentrale offene Frage ist, ob Ägypten dem Pakt beitreten wird, da Kairo zwar an regionaler Stabilisierung interessiert ist, sich aber nicht auf einen militärischen Konflikt mit dem Iran oder auf Einsätze am Golf und im Jemen festlegen möchte. Der Mekka-Verteidigungspakt ist daher weniger eine arabische NATO als ein zunächst unausgereiftes Experiment regionaler Mächte, ihre Sicherheit zunehmend selbst zu organisieren.