Nahost. Nah Dran.

E21 Ob der Iran, der Golf, Gaza oder das Westjordanland - es gibt einen gemeinsamen Nenner: Unberechenbarkeit - eine Analyse

Episode Summary

Man weiß wieder einmal nicht, auf welche Nachrichten im Nahen Osten man sich eigentlich konzentrieren soll. Karim El-Gawhary analysiert zwei Dinge. Die Lage am Golf: US-Präsident Donald Trump wechselt fast täglich seinen Ton. Mal kündigt heftige Angriffe auf Irans Infrastruktur an, nur um dann am nächsten Tag zu erklären, dass er den Angriff abgeblasen hat, weil es doch Fortschritte bei den diplomatischen Bemühungen gibt. Etwas, das von iranischer Seite aber nicht bestätigt wird. Der Verlust seiner Glaubwürdigkeit wird sich negativ auf die weiteren Verhandlungen auswirken. Und El-Gawhary wechselt nach Gaza. Dort verkündet der von Trump ins Leben gerufenen Friedensrat, dass die Hamas prinzipiell einer Entwaffnung zugestimmt hat. Die Hamas bestätigt das, spricht aber davon, dass sich die israelische Armee zeitgleich aus dem Gazastreifen zurückziehen müsse. Israel geht darauf nicht ein. Damit ist alles wieder auf die lange Bank geschoben. Am Ende erzählt El-Gawhary eine Geschichte aus dem Westjordanland, die zeigt, wie israelische Straßensperren dort den Palästinenserinnen und Palästinensern ihre Zeit stehlen und manchmal auch ihr Leben.

Episode Notes

Donald Trump wechselt innerhalb weniger Tage zwischen massiven Kriegsdrohungen gegen den Iran und der Ankündigung neuer Verhandlungen, ohne dass klar wird, ob tatsächlich ein belastbarer diplomatischer Prozess existiert. El-Gawhary analysiert, dass Trumps ständige Kurswechsel seine Glaubwürdigkeit zunehmend untergraben und sowohl Abschreckung als auch Diplomatie erschweren. In Gaza sorgt die Ankündigung einer möglichen Entwaffnung der Hamas zunächst für Hoffnung, doch der Streit über den zeitlichen Ablauf eines israelischen Truppenabzugs macht eine Umsetzung derzeit unwahrscheinlich. Während über diplomatische Lösungen gesprochen wird, gehen die israelischen Angriffe im Gazastreifen weiter und fordern erneut zahlreiche zivile Opfer.

Im Westjordanland verschärfen Checkpoints, Verhaftungen und Siedlergewalt den Alltag der palästinensischen Bevölkerung. Anhand des Schicksals einer hochschwangeren Frau, die wegen einer langen Verzögerung an einem israelischen Checkpoint ihr Kind verliert, verdeutlicht El-Gawhary die humanitären Folgen dieser Einschränkungen. Die Episode zeigt, dass von Iran über Gaza bis ins Westjordanland derzeit vor allem eines den Nahen Osten prägt: politische Unberechenbarkeit und fehlende Perspektiven für eine nachhaltige Deeskalation.