In dieser Podcast-Folge taucht Karim El-Gawhary ein in die Welt der Ägyptologie und vor allem der Archäologie rund um das Alte Ägypten. Wird da immer noch in der Wüste gegraben, um dann den Sand bei entdeckten Artefakte wegzupinseln? Wie schaut es auf so einer Grabungsstelle aus? Welche neuen Technologien gibt es, um die Entdeckungen voranzutreiben und auch zu analysieren? Wie verändert sich der Fokus weg von der Erforschung der Pharaonen und Könige hin zum Leben der einfachen Ägypterinnen und Ägypter. Besprochen wird das alles mit Irene Forstner-Müller, der Leiterin des Österreichisch-Archäologischen Instituts in Kairo, das sich nicht so sehr der Erforschung von Tempeln und Königspalästen verschrieben hat, sondern den Siedlungen daneben, in denen das ganz normale Volk gelebt hat.
Wie lebten die einfachen Menschen im Alten Ägypten? Das ist der Forschungsschwerpunkt von Irene Forstner‑Müller, er Leiterin des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo. Sie erforscht seit Jahrzehnten Siedlungsarchäologie in Tell el‑Daba (im Osten des Nildeltas) und Kom Ombo (Süden) betreibt. Sie beschreibt interdisziplinäre Prospektionsmethoden — Magnetometer, Bodenradar, Bohrungen und geomorphologische Analysen — die Ausgraben zielgerichteter und wissenschaftlicher machen. Neuere Technologien wie Structure‑from‑Motion‑3D‑Scanning (mit LiDAR‑fähigen Smartphones) erlauben detailreiche Modelle von Gebäuden, Speicheranlagen und Keramik. Die Forschung fand umfangreiche Getreidespeicher und Verteilungsanlagen, die auf regional organisierte Vorratssysteme und Verwaltung in Krisenzeiten hinweisen. Durch Tierknochenanalysen, Mumienbefunde und physische Anthropologie lassen sich Ernährungsweisen (Brot, Bier, Fisch) aber auch soziale Unterschiede bei der Ernährung nachweisen und Krankheiten rekonstruieren. Forstner‑Müller berichtet auch, wie migrantische Gruppen aus der Levante in ägyptische Städte integriert waren: im Alltag ägyptisiert, in Gräbern oft kulturspezifische Bestattungsformen bewahrend.