Nahost. Nah Dran.

Als die erste Giraffe nach Wien kam und eine Modewelle auslöste. Die österreichische Orient-Connection: Talk mit Mathias Pfaffenbichler :

Episode Summary

Im 19. Jahrhundert waren Österreich und der sogenannte Orient enger miteinander verbunden, als es heute im Bewusstsein präsent ist: über Triest, den Suezkanal, Handel, Reisen, Wissenschaft und Kultur. In dieser lehrreichen, aber auch unterhaltsamen Episode sprioht Karim El-Gawhary mit dem Kunsthistoriker Matthias Pfaffenbichler über diese vergessene Geschichte – von der ersten Giraffe in Schönbrunn, einer österreichischen Fez-Fabrik, der Dampfschifffahrts-Linie Triest-Alexandria bis zur Wiener Weltausstellung mit Ägypten-Pavillon und den österreichischen Architekten in Kairo. Dabei geht es auch um die Frage, wie der Orientalismus den europäischen Blick auf Ägypten und die arabische Welt geprägt hat.

Episode Notes

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich enge Verbindungen zwischen Österreich und dem sogenannten Orient, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Über Venedig und vor allem Triest entstanden Handels-, Reise- und Wirtschaftsverbindungen nach Ägypten und in den östlichen Mittelmeerraum, die durch den Bau des Suezkanals zusätzlich an Bedeutung gewannen. Österreichisches Kapital und österreichische Ingenieurskunst spielten beim Suezkanal ebenso eine Rolle wie die Schifffahrtsverbindungen zwischen Triest und Alexandria. Der wirtschaftliche Austausch wurde durch den Baumwollhandel, den Postverkehr und den zunehmenden Tourismus nach Ägypten und Jerusalem geprägt. Auch das Kaiserhaus und der österreichische Adel reisten nach Ägypten, während Künstler den Orient zum Gegenstand ihrer Malerei machten und dabei häufig ein idealisiertes und von europäischen Vorstellungen geprägtes Bild schufen. Die Wiener Weltausstellung von 1873 verstärkte das Interesse am Orient und hinterließ unter anderem Spuren in den ägyptischen Sammlungen Wiener Museen. Eine Giraffe, die 1828 aus Ägypten nach Wien gebracht wurde, und die Produktion des Fez in Südböhmen erzählen auf kuriose Weise von diesen Verbindungen, aber auch von den wirtschaftlichen Machtverhältnissen zwischen Europa und Nordafrika. Außerdem geht es um österreichische Architekten in Kairo, um die persönlichen Beziehungen zwischen dem ägyptischen Herrscherhaus und Wien sowie um die Frage, warum diese gemeinsame Geschichte nach dem Ende der Habsburgermonarchie weitgehend aus dem österreichischen Gedächtnis verschwunden ist.