Normalerweise wird über die Syrer und Syrerinnen in Österreich und Deutschland und die Frage der Rückkehr geredet. Karim El-Gawhary spricht mit ihnen: in dieser Folge mit einem Syrer, der seit 2014 in Wien lebt und den er letztes Jahr in Damaskus getroffen hatte, als er sich dort umgesehen und überlegt hatte, ob er wieder in seine Heimat zurückzukehrt. Mohammed Nour erzählt, warum trotz des Sturzes des syrischen Diktators Assad nur sehr wenige Syrerinnen und Syrer aus Österreich nach Syrien zurückkehren. Im Zentrum stehen Sicherheitslage, wirtschaftliche Perspektiven, fehlende Rechtsstaatlichkeit in Syrien sowie der Druck und die Rahmenbedingungen, die der österreichische Staat Geflüchteten setzt.
Karim El-Gawhary spricht in dieser Episode über Rückkehr oder Bleiben – wie Syrerinnen und Syrer in Österreich nach Assads Sturz ihre Zukunft zwischen Damaskus und Wien abwägen. Gast ist Mohammed Nour, seit 2014 in Österreich, inzwischen Staatsbürger, Menschenrechts- und Kinderrechtsexperte, der offen über seine biografische Achterbahnfahrt zwischen Syrien und Österreich spricht. Nour schildert seine Rückkehr nach Damaskus nach Assads Sturz als intensiven Moment zwischen Heimweh, Hoffnung und dem Gefühl, in einem „Traum“ zu leben, erkennt aber später, wie brüchig Sicherheitslage, Rechtsstaatlichkeit und Alltagsstrukturen im Land geblieben sind.Er beschreibt, wie Gewalt, neue Massaker, Machtmonopol und fehlende Übergangsgerechtigkeit unter der neuen Führung des Übergangspräsidenten Ahmad Al-Scharaa seine anfängliche Rückkehr-Euphorie in Skepsis verwandeln.
Parallel dazu erläutert die Folge, wie schwierig es für Syrerinnen und Syrer ist, in Syrien Arbeit, Wohnung, medizinische Versorgung und ein halbwegs würdiges Leben zu finden, während sie in Österreich über Jahre mit langen Verfahren, Kürzungen und einem faktischen Druck zur „freiwilligen“ Rückkehr konfrontiert sind.
Nour erzählt vom Frust über gestoppte Familienzusammenführungen nach Assads Sturz und den Unterschied zwischen dem rechtlichen Umgang mit ukrainischen Geflüchteten und Syrerinnen und Syrern, den er auch wissenschaftlich untersucht. Im Gespräch geht es außerdem um Identität, Rassismus und die Frage, ob man jemals „ankommt“, wenn man als „Austro-Syrer“ zwischen gebrochenem Arabisch, sehr gutem Deutsch und ständiger Nachfrage nach der „eigentlichen Herkunft“ lebt.
Gegen Ende diskutieren El-Gawhary und Nour, wie der Gaza-Krieg und eine als doppelmoralisch empfundene Haltung Österreichs („Nie wieder“ nicht für alle) viele Menschen mit arabischem Hintergrund entfremdet, während Nour trotzdem auf Rechtsstaatlichkeit und universelle Menschenrechte als Maßstab besteht.